Am 25. September 2013 artikulierte der VEV Sorgen und kritische Gedanken zum Schulbeginn 2013/14 in einer Presseaussendung.


Mit Lehrermangel ins neue Schuljahr

Was wir fordern und was uns stattdessen 2013/14 erwartet

small icon pdf Presseaussendung des VEV vom 25. September 2013  83.00 kb

"Jedes Schulkind in Österreich hat Anspruch auf guten Unterricht in allen Gegenständen!" fasst der Vorsitzende des Verbands der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens, Mag. Johannes Theiner, die Elternforderung zu Schulbeginn zusammen.
Wie schon in den vergangenen Jahren steht aber fest, dass es für das bevorstehende Schuljahr zu wenige Lehrer/innen gibt. Doch die zuständigen Politikerinnen, Bundesministerin Dr. Claudia Schmied und Stadtschulratspräsidentin Dr. Susanne Brandsteidl, dementierten zuletzt öffentlich, dass es ein Problem geben werde. Wie wird es tatsächlich aussehen?

"Leider können wir den Eltern nicht bestätigen, dass es kein Problem geben wird!" meint Johannes Theiner. "Schon seit Jahren werden die Löcher notdürftig mit sogenannten Sondervertragslehrer/innen gestopft, deren Zahl seit einigen Schuljahren jährlich ansteigt. In den ersten Schulwochen kann der reguläre Unterricht an vielen AHS vermutlich nicht in allen Gegenständen gewährleistet werden, weil man noch auf Lehrer/innensuche ist."

Mit Sondervertrag kommen Lehrende an die Schule, die keine Lehramtsprüfung abgelegt haben. Das sind teilweise diplomierte Fachleute, vor allem aber Lehramts-Studierende, die ihr Studium noch nicht abgeschlossen haben. "Sondervertragslehrer/innen sind vielfach pädagogisch und fachdidaktisch überfordert. Das lässt sich aus Erzählungen von Schüler/innen und Klagen von Eltern ableiten." meint Theiner und fügt besorgt hinzu: "Erfahrungen von Versagen und Überforderung prägen Junglehrer/innen für ihre gesamte Berufslaufbahn, und unsere Kinder bekommen jedenfalls keine zweite Chance, wenn der Unterricht schlecht gelaufen ist."

Schulqualität leidet auch, wenn Mitteilungshefte, Hausübungen, Tests oder Schularbeiten aufgrund von zu vielen anderen Dienstpflichten nicht mehr rasch und ordentlichen kontrolliert werden (können). Es gibt allerdings auch merklichen Druck auf Lehrer/innen, die eigene Lehrverpflichtung zu erhöhen oder Verpflichtung zu Überstunden anzunehmen.

"Alle Eltern und Schüler/innen haben das Recht, dass vom System die vorgesehenen Schulstunden sicher angeboten werden. Ehe zusätzliche Lehrer/innen in NMS-Klassen zugewiesen werden, muss der Pflichtunterricht in allen AHS-Klassen gesichert sein!" fordert Theiner.

Ergänzende Gedanken zur Presseaussendung:

Legendär wurden die Maturantenbriefe der Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, die seit dem Sommer 2000 den angehenden Studierenden wegen einer „Lehrerschwemme“ nachdrücklich vom Lehramtsstudium abriet. "Falls das Bundesministerium seither ähnliche Initiativen gesetzt haben sollte, um den absehbaren Lehrermangel zu verhindern, so waren diese Maßnahmen jedenfalls nicht ausreichend.“ meint Theiner: "selbstgefällige Bemerkungen aus dem bm:ukk zur Entwicklung der Qualität unseres Bildungssystem sind geradezu absurd, wenn man die reale Personalentwicklung und deren Auswirkungen beobachtet:

  • Die Zahl der Sondervertragslehrer/innen in höheren Schulen steigt seit Jahren kontinuierlich an.
  • Junglehrer/innen werden in ihrem Probejahr vielfach zu einer zusätzlichen Lehrverpflichtung gedrängt. Sie werden in ihrem eigenen Entwicklungsweg belastet und möglicherweise nachhaltig überfordert.
  • Sekretär/innen, Schulwart/innen und Schulpsycholog/innen werden nicht bedarfsgerecht nachbesetzt. Schulleiter/innen und Lehrpersonal werden daher durch zusätzliche Aufgaben belastet.
  • Ressourcen werden nachweislich aus der von Eltern hochgeschätzten AHS in das Projekt Neue Mittelschule umgeschichtet. Der Bildungsbericht des bifie belegt, dass sich das bm:ukk einen NMS-Schüler etwa 1/3 mehr kosten lässt, als ein gleich altes Kind an einer AHS.
  • „Schulqualität“ wird nicht mit den Schulpartnern diskutiert. Standardisierte Verfahren wie die Bildungsstandardtests werden herangezogen, um Qualität des Systems zu beschreiben.
  • „Namens der Eltern fordern wir, dass endlich darauf geachtet wird ehrlich mit Schwachpunkten umzugehen!“ betont Theiner und weist auf zahlreiche Wortmeldungen der Elternvertretung hin. „Die Zusammenarbeit der Schulpartner schafft die konkrete Lernumgebung für jede/n einzelne/n Schüler/in. Das System kann lediglich die Rahmenbedingungen setzen und müsste flexibel auf die tatsächlichen Bedürfnisse reagieren.“