Aufgrund einer UN-Resolution begehen wir heute erstmals den Weltelterntag.

Mit der small icon pdf Resolution 66/292  15.37 kb erklärte die UN.-Generalversammlung im September 2012 den 1. Juni jedes Jahres zum Tag, "... der zu Ehren der Eltern in aller Welt jährlich begangen werden soll". Österreich hat sich scheinbar nicht besonders bemüht, diesen Tag im Sinne der Resolution ".. gemeinsam mit der Zivilgesellschaft" zu begehen.

Brauchen wir einen Weltelterntag? Genügen nicht Mutter- und Vatertag, um die Eltern (zum besten Nutzen der Wirtschaft) zu bedenken und zu bedanken?

Es gibt wahrlich genug gewidmete Tage: Wasser, Ei, Brot, Apfel - alles hat seinen Ehrentag. So ist es recht und billig, dass auch die Eltern ihren Tag bekommen. Fraglich bleibt das Wozu, unbestritten das Warum:

Kinder brauchen ihre Eltern!

  • Eltern - Mütter und Väter, die sich der Rolle stellen - stellen sich damit (ein Leben lang) in den Dienst der nächsten Generation(en). Liebe und Treue prägen die elterliche Partnerschaft und die Beziehung zu den Kindern.

Klingt zu pathetisch? Stimmt nicht mit den Horrorschlagzeien über häusliche Gewalt überein?

Doch ist das der normale Beziehungsgrund und das Motiv für jedes häusliche Zusammenleben und bietet die erforderliche soziale Grundlage für das Heranwachsen der Kinder.

  • Eltern bieten in ihrer Beziehung zu den Kindern den einflussreichsten Rahmen für deren Lernen.

"Parents are the primary educators of their children" ist das Grundparadigma der Europen Parents' Association, der der Verband der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens seit vielen Jahren angehört. Frei übersetzt heißt das, dass die eigenen Eltern die hervorragendsten - ersten und einflussreichsten - Persönlichkeiten in der Lerngeschichte jedes Kindes sind (Das Wort "Educator" sollte man hier nicht wörtlich als "Erzieher" übersetzen).

Alle einschlägigen Studien belegen, dass die Lernerfolge vor allem vom Elternhaus geprägt werden. Verkürzt gesagt wird daraus die gesellschaftspolitische Analyse: "Bildung wird vererbt". Feinsinnige politische Schlussfolgerungen bleiben leider aus.

  • Eltern leisten durch Kinderpflege und -erziehung einen enormen Beitrag zum Wohlergehen der Gemeinschaft, der weder durch Sach- noch durch finanzielle Transferleistungen fair ausgeglichen wird. Mehrkindfamilien mit nur einem Einkommen leben häufig hart an der Armutsgrenze.
  • Die Zusammenarbeit der Eltern mit den professionellen Pädagog/innen an Kindergärten und Schulen - in Österreich durch das Wort Schulpartnerschaft sehr treffend und positiv beschrieben - bildet daher die beste Voraussetzung jedem Kind seinen optimalen Lernraum zu bieten.

... aber auch die Gesellschaft braucht uns Eltern!

... denn wir übernehmen unbezahlt und engagiert (7 x 24 Stunden pro Woche) Verantwortung für die Kleinen aber auch die heranwachsenden Jugendlichen.

Wir bereichern die Schulen mit der bunten Vielfalt aller professionellen Kompetenzen.

Wir ergänzen für unsere Kinder, was ihnen die Schule trotz Bekenntnis zur Individualisierung nicht bieten kann.

Wir tragen alle möglichen Mittel bei, um das Schulleben unserer Kinder zu bereichern. Neben finanziellen Beiträgen sind das unzählbare ehrenamtliche Stunden, Kuchen, Gebäck, Aufstriche ...

Und dazu kommen auch außerhalb der Schulen ungezählte und unzählbare Beiträge des Engagements zur Gestaltung des Lebensraums - zivilgesellschaftliches Engagement und Nachbarschaftshilfe.


Eltern brauchen die Unterstützung der Gesellschaft

Es ist nicht immer leicht, Eltern zu sein: Durchwachte Nächte, weil ein (kleines) Kind nicht schlafen kann, weil Alpträume oder Fieber plagen; Sorgen um pubertierende Kinder, die um ihre Eigenverantwortung kämpfen und doch so viele Gefahren nicht zu sehen scheinen; die schwierige Rolle gegenüber der Schule und anderen Bildungseinrichtungen, wo unsere Kinder doch immer wieder Unrecht erfahren, unter Leistungsdruck leiden, nicht richtig verstanden werden; der Druck der Verantwortung und die Spannung, diese immer mehr an die Heranwachsenden zu übergeben ...

Alle internationalen Studien belegen, dass das, was Eltern zum Lernen ihrer Kinder beitragen, duch kein Bildungssystem der Welt kompenmsiert werden kann. Das lässt sich politisch-polemisch in die Phrase fassen "... Bildung wird vererbt!"

Wer genauer hinsieht findet aber viele Beispiele, dass Eltern aller Gesellschaftsschichten ihren Beitrag leisten können - wenn sie um dessen Bedeutung wissen.

So fordern Elternvereinigungen schon lange, die Elternverantwortung durch entsprechende Angebote zu unterstützen. Ideal wäre ein Ausbau der Selbstorganisation, Vereine und Verbände, die Elternanliegen vertreten und Angebote in Zusammenarbeit mit den Eltern koordinieren. Die Elternvereine und -verbände an den Schulen sind ein gutes Beispiel. Allerdings fehlen Ressourcen und Strukturen, um diese Organisationen nachhaltig zu gestalten.

 
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Elternvereine an Schulen schließen sich zu regionalen und nationalen Organisationen zusammen. Auf europäischer Ebene bildet die European Parents' Association ein bei europäischen und internationalen Institutionen anerkanntes Sprachrohr der Elternvertretung.

 
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Die besondere Bedeutung der Eltern als Partner und Mitgestalter des Bildungssystems wird in der Europäischen Bürgerinitiative #8 home icon Movement for a European Education Trust (Bewegung für eine Europäische Bildungs-Kooperative) artikuliert.

... und so wollen wir gemeinsam für ein Bildungssystem arbeiten, das den einmaligen Beitrag der Eltern anerkennt und unterstützt, das den Eltern die vollwertige Partizipatione sichert, aktive Mitbestimmung auf allen Ebenen von der Schule bis nach Europa!

 
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Die oben gezeigten Bilder sind aus Präsentation von Johannes Theiner, derzeit Präsident der European Parents' Association (EPA), gestaltet.

Die EPA hat im Jahr 2009 eine Grundsatzresolution verabschiedet, die die Anerkennung und Unterstützung der besonderen Elternrolle durch die staatliche Gesetzgebung fordert. Im small icon pdf Leave of Absence  122.48 kb formuliert die EPA Elternaufgaben auf verschiedenen Ebenen und mahnt die adäquate Anerkennung der ehrenamtlichen Aufgaben durch entsprechende gesetzliche Regelungen ein. Die gesicherte Möglichkeit, für die Versorgung eines kranken Kindes oder Familienangehörigen Pflegeurlaub zu beanspruchen, ist dabei als realpolitischer Bezug bedacht.

 

Wir bemühen uns darum, dass Väter und Mütter in der Gesetzgebung nicht nur durch die Bereitstellung von Einrichtungen zur Kinderbetreuung als potentielle Arbeitskräfte gewonnen, sondern vor allem in ihrer Elternrolle wahrgenommen, geschützt und unterstützt werden!

 

JTh, 1. Juni 2013