Sinn oder Unsinn des Rauschens im Blätterwald

Am 24. April verlautete das bm:ukk, dass die Tägliche Turnstunde an Österreichs Schulen in ganztägiger Organisation in Zukunft gesichert sei. Ein Thema, das die Eltern nie bestellt oder im Sinne der Presseaussendung bewertet haben.

Wir erinnern daran, dass die laufende Diskussion auf Initiative der Bundessportorganisation angestoßen wurde: Österreich hatte keine Medaille bei den Sommerspielen 2012 in London errungen. Mangelnder Schulsport wurde medienwirksam als Ursache identifiziert.

Es gibt zu diesem Themenkomplex keine fordernde oder unterstützende Wortmeldungen der Schulpartner. Jedenfalls haben diese nie ein ausdrückliches Interesse an der täglichen Turnstunde eingebracht.

Allerdings gibt es seit Jahren Klagen von Eltern, dass die schon unter Bundesministerin Gehrer umgesetzte Stundenreduktion den Unterricht in Bewegung und Sport besonders massiv eingeschränkt hätte. Das bm:ukk unter der amtierenden Ministerin Dr.Claudia Schmied hat allerdings bisher keinerlei "Korrektur" dieses Eiinschnitts vorgenommen - obwohl es mehrfach Zusagen gab.

Im Anschluss an die Presseaussendung des bm:ukk und zahlreiche Reaktionen, die am 24. April veröffentlicht wurden, hat der Verband der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens die folgende Pressemitteilung veröffentlicht:

Tägliche Turnstunde - ein frommer Wunsch, ein Versprechen ohne Substanz

Aktionismus in der Bildungspolitik ohne Einbindung der Schulpartner und Aussicht auf Realisierung

"Eltern in ganz Österreich haben sich wiederholt sehr intensiv mit dem Thema Bewegungserziehung auseinandergesetzt", meint Johannes Theiner, Vorsitzender des Verbands der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens. "Besonders unser Wiener Verband hat dieses Thema immer wieder behandelt. Außer Lippenbekenntnissen der Schulbehörde kam aber bisher nichts an den Schulen an!"

Die Fakten sind: Wir haben zu wenig Turnsäle und keinen Nachwuchs an Lehrer/innen in Bewegung und Sport. Seit Jahren zahlen Eltern an Bundesschulen in Wien immer wieder für Schwimmunterricht oder Nutzung fremder Sportstätten, weil der lehrplanmäßige Unterricht "Bewegung und Sport" nicht an der Schule untergebracht werden kann. Die erforderlichen Turnsäle stehen nicht zur Verfügung. Die Betroffenen erfahren oft nicht einmal, dass sie für die Kompensation eines Systemmangels aufkommen müssen.

"Dass Eltern - auch wenn sie in der Bildungspolitik herablassend als bildungsfern eingestuft werden - das letzte Hemd für ihre Kinder ausziehen, wird vom System schamlos ausgenutzt!" ärgert sich der erfahrene Elternvertreter. "Die 'tägliche Turnstunde' wurde für die Medien, aber nicht für die Kinder erfunden!" Es macht ihm Sorge, dass Bildungspolitiker hier kritikarm einstimmen, und nicht über die wirklichen Herausforderungen einer kindgerechten Schule diskutieren.

Die Schulbehörde verspricht immer wieder Ressourcen, die gar nicht vorhanden sind. Wir mahnen bedarfsgerechte Entwicklungen im Schulsystem ein, die aufgrund vorhandener Potentiale optimale Ergebnisse bringen.

So weisen wir seit Monaten immer wieder auf die Effekte des Aufnahmestopps beim "Verwaltungspersonal" im Schulsystem hin:

Die Zahl österreichischer Schulpsychologen - schon bisher fast Schlusslicht in Europa - droht noch unter das Betreuungsverhältnis Deutschlands zu fallen, das die schlechteste Quote im EU-Raum aufweist. Eltern können freilich teure Privatleistungen kaufen, wenn sie Teilleistungsschwächen oder Begabungsprofile attestieren lassen wollen - Leistungen, die die Schulpsychologie kostenlos und systemkonform erbringen müsste.

Schulwarte und Sekretärinnen fehlen und werden durch schulfremde Aushilfen ersetzt - keiner kennt die Putzkolonnen, die zugekauft werden müssen und überraschend in WC-Anlagen und Schulklassen auftauchen.

"Als Kompensation verspricht man uns nun auch aus dem Ministerium die tägliche Turnstunde, für die es aber weder Lehrer/in noch Turnsaal gibt!" schließt Theiner.