ein tragfähiger politischer Kompromiss

Seit Jahren diskutiert, mit einem neuen Bundeslehrerdienstrecht verknüpft - eine unendliche Geschichte geht zu Ende?

n einer home icon Pressekonferenz stellten die beiden zuständigen Minister den Regierungsentwurf vor, der ein Ende eines Konflikts mit vielen Fronten zu sein versprach. Da ist einmal der status quo, der die besser gestellten, an der Universität ausgebildeten Bundeslehrer von den an Pflichtschulen eingesetzten Landeslehrern unterscheidet, die an der Pädagogischen Akademie ausgebildet wurden, bis diese durch ein Gesetz zur Hochschule, also einer tertiären Bildungseinrichtung wurden.

Dazu folgende Beobachtungen und Einschätzungen:

Vorab die Essenz:

Wir Eltern wollen, dass unsere Kinder in der Schule Bedingungen vorfinden, die ihnen eine möglichst vollständige Entwicklung ihrer Potenziale ermöglichen. Wir wollen daher die besten Lehrer/innen für unsere Kinder!

Offene Fronten wurden dabei dadurch geschaffen, dass im Rahmen der Umsetzung die neuen Pädagogischen Hochschulen (PH) in die Ressortzuständigkeit des (roten) Unterrichtministeriums gelangten, während der (schwarze) Wissenschaftsminister für alle anderen tertiären Einrichtungen verantworlich ist. So bekommt die Diskussion einer gemeinsamen Lehrer/innenbildung zusätzliche Brisanz: Alle von der sozialdemokratischen Ministerin priorisierten Reformvorhaben, die latenten Koalitionssprengstoff bieten, könnten in der "hauseigenen" Bildungsstätte konsequenter vertrieben werden. Die gemeinsame Ausbildung aller Lehrer/innen an der PH wäre zudem ein Schritt, aus dem die Umsetzung eines einheitlichen neuen Lehrer/innendienstrechts erleichtert und das Langzeitprojekt "gemeinsame Schule der 10-14-Jährigen" der SPÖ effektiv vorbereitet würde. Diese "Gesamtschule" wurde ja vom Koalitionapartner nicht akzeptiert und dürfte auch unter den Eltern keine Mehrheit finden.

Gerade aus Elternperspektive wurden vielfach gute Argumente für die Reorganisation der Lehrerbildung eingebracht. Die "pädagogische Qualifikation" der AHS-Lehrer/innen wird immer wieder als Notstand der Bildungslaufbahn beklagt. Allerdings wurden bereits vor über zehn Jahren ambitionierte Veränderungen an den Universitäten eingeleitet. Studienpläne für das Lehramtsstudium wurden tiefgreifend reorganisiert und pädagogische Grundbildung und Unterrichtpraktika gewannen dadurch viel Gewicht. Allerdings lässt der Effekt in den Schulen naturgemäß lange auf sich warten.

Völlig im Hintergrund bleibt der Bereich der Elementarpädagogik. Diese Pädagog/innen werden in Österreich weiterhin in der BAKiP (Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik), einer speziellen berufsbildenen höheren Schule, ausgebildet. Da deren Abschluss nicht als akademische Qualifikation gilt, scheint die Qualifikation inferior, bleibt die Besoldung niedrig.

Völlig außerhalb der politischen Diskussion bleiben Kapazitäts- und Qualitätsaspekte:

  • Derzeit fehlen in allen Bildungseinrichtungen die Pädagog/innen. Weitere Pensionierungswellen werden vorhergesagt. Der Nachwuchs lässt auf sich warten.
  • Qualität soll durch frühe Selektion, durch ein Aufnahmeverfahren, das nur die besten Kandidat/innen in die Lehrerlaufbahn aufnimmt, gesteigert werden - aber ...
  • um den Pädagog/innenmangel zu kompensieren, werden allein in Wien jährlich etwa 120 neue Sondervertragslehrer an AHS angestellt. Sie stehen noch in der Berufsausbildung oder haben zwar fachliche, aber keine pädagogische Qualifikation - müssen deshalb keine schlechteren Lehrer/innen sein!
  • Die PHs können unmöglich die Kapazität für zusätzliche AHS-Lehrerbildung aufbringen. Sie haben nicht die Reserven, um die Elementarpädagogik zu übernehmen.
  • und Qualität hat bisher eigentlich gar kein Profil.

Inhaltlich sollten ebenfalls viele Fragen diskutiert werden:

  • Es fehlt eine ehrliche Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Schwerpunkten - fachliche, fachdidaktische und pädagogische Qualifikation.
  • Es fehlt die faire Gegenüberstellung der Bildungswege. So scheint die BAKiP eine außerordentlich fundierte praktische Bildung zu bieten, die duch eine tertiäre Bildungseinrichtung kaum äquivalent geboten werden kann.
  • Der politische Diskurs wird ohne die Betroffenen geführt! Schulpartner könnten wohl viele Wünsche als Zielvorgaben einbringen. Die praktische Erfahrung zahlreicher engagierter Lehrer/innen überwiegt den Wert der Expert/innen, die sich seit Jahren und Jahrzehnten in den Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten oder Ministerien herumtreiben - und dort leicht alles besser wissen können - ich ersuche um Nachsicht für diesen Sarkasmus!