Wiener Stadtschulrat stellt Beauftragten vor

Das Schule Schwänzen kam in den letzten Wochen mehrmals in die Schlagzeilen. Nun stellte der Wiener Stadtschulrat Horst Tschaikner als Schulschwänz-Beauftragten vor. Eine Lösung oder ein Problem?

m Rahmen einer Pressekonferenz stellte die amtsführende Präsidentin des Wiener Stadtschulrats Mag. Dr. Susanne Brandsteidl den Bauftragten vor. Bereits unmittelbar nach der Ankündigung der Pressekonferenz fragte der Vorsitzende des verbands der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens an, welche Konzeption hinter dieser Beauftragung stecke. Bedauerlicherweise wurde diese Anfrage von der Pressestelle bis heute ignoriert:

Von: obmann@elternverband.at
An: Mathias Meisner
Datum: 19.03.2012 12:58
Subject: PK "Stadtschulrat präsentiert Schulschwänz-Beauftragten"

 

Sehr geehrter Herr Meisner,
mit Interesse aber auch Befremden habe ich die Ankündigung dieser Pressekonferenz gelesen. Ich war bereits vor einigen Wochen im Staatssekretariat Kurz vorstellig, nachdem dieser Strafzahlungen für Schulschwänzen in Aussicht gestellt hatte, da ich die Kooperation mit Eltern in diesem Zusammenhang für eine vorrangige Aufgabe halte. Daraus leitet sich für uns der Anspruch auf eine aktive Diskussion mit den Vertreter/innen der Betroffenen - das sind Eltern- und Schüler/innenvertretung

Wir werden das Thema umgehend in unseren Themenkatalog für die nächste Elternbeiratssitzung aufnehmen.

Es wäre hilfreich, wenn wir schon im Vorfeld der PK Informationen über Zielsetzung, Aufgaben und Kooperationsstrategien erhalten könnten. Ich stehe gern auch für ein spontanes, kurzes persönliches Gespräch zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

J.Theiner

Unmittelbar im Anschluss an die Pressekonferenz wurde der Vorsitzende von der ORF-Redakteurin Elisabeth Tschank um ein Fernsehinterview für die Sendung "Wien heute" ersucht. Folgende Kernaussagen wurden im Interview vorgebracht:

  • "Schule Schwänzen" wurde als unklares und vielschichtiges Thema aufgegriffen: Geht es um "Elterninteressen", wenn Kinder, die das Haus verlassen, nie in der Schule ankommen? Geht es um Kinderrechte (Verfassungsbestimmungen seit 2011!) und das Durchsetzen der Schulpflicht, wenn Eltern ihren Kindern den Schulbesuch "vorenthalten"?
  • In einem zivilgesellschaftlich-demokratischen System spricht man nicht "über" sondern "mit" einer Zielgruppe! Elternverbände haben sich erfolgreich in Projektarbeiten mit dem Stadtschulrat eingebracht, hätten vielleicht eine differenziertere Projektstrategie entwickelt, wenn sie gleich eingebunden worden wären.
  • Über die European Parents' Association (EPA) sind wir direkt in die Anstregungen der EU involviert, den Schulabbruch zu bekämpfen. Aus europäischen Projekten gegen das "Early School-Leaving" sticht hervor, dass erfolgreiche Ansätze zur Anbindung an "bildungsferne" Gruppen immer von der Basis ausgehen und nie aus dem System kommen. Sie benötigen einen "transsektoralen Ansatz", können also nicht von der Schulbehörde allein betrieben werden. Die aktive Einbindung von Eltern und die Partizipation von Schüler/innen sind auffällige Erfolgsfaktoren.

Die Einsetzung des Beauftragten Helmut Tschaikner ist sicherlich kein Problem. Sie stellt aber auch kaum einen wirksamen Lösungsansatz für irgendeinen Aspekt des Problems dar.

Gründe, warum Schüler/innen der Oberstufe bzw. an berufsbildenden höheren Schulen "stageln", liegen vielfach in der fehlenden Erfahrung, dass im Klassenverband gut und effektiv gelernt wird. Das Potential dieser "Lerngemeinschaft" ist aber ein wesentliche pädagogischer Grund für unsere klassenbasierende Schulorganisation.

Der Verband der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens mahnt seit Jahren ein, dass die Bedeutung von Lernprozessen in der allgemeinen Schuldiskussion aufgegriffen werden müsste. Die verengenden Ansätze der Ergebnisevaluierung durch Bildungsstandards dienen diesem Ziel jedenfalls nicht.

Wir werden uns mit dem Thema weiter auseinandersetzen und darüber informieren.