Schulpartner in Wien bringen sich ein

Am 14. April 2011 fand die zweite Enquete zur Neuen Reifeprüfung statt. Gastgeber war die Wiener Arbeiterkammer. Die Veranstaltung war wieder von Dr. Christine Krawarik und Maria Smahel vorbereitet und widmete sich den Gegenständen Deutsch und Mathematik.

Ein ausführliches Protokoll finden Sie auf der Website home icon www.schulpartner.info

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Das Schluss-Statement, das ich aus Elternsicht abgegeben habe, möchte ich hier nochmals ausführlicher darstellen:

"Wir Eltern haben die (für uns völlig überraschende) Initiative des bm:ukk zur Reform der Reifeprüfung im Frühjahr 2008 zum Anlass genommen, uns intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Gemeinsam mit Elternvereinigungen aus anderen deutschsprachigen Ländern haben wir unter Schirmherrschaft der Eureopan Parents' Association (home icon EPA) im Oktober dieses Jahres eine internationale Konferenz veranstaltet.Das Abschlussdokument, das auf Anregung unserer bayrischen Freunde den Namen small icon pdf Wiener Appell  18.07 kb erhielt, enthält einige gemeinsame Forderungen, die durch die laufenden Reformbestrebungen in Österreich nicht berücksichtigt wurden und werden.

Wir konnten unseren internationalen Gästen das österreichische Modell der Schulpartnerschaft als Zielvorgabe nahe bringen: paritätische Vertretung der Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern. Leider ist die im Wiener Appell geforderte verpflichtende Einbindung der Schulpartner in bildungspolitische Initiativen in Österreich nach wie vor nicht gewährleistet."

Ich konnte auf meinen Einblick in die Arbeit an der AHS-Reifeprüfung zurückgreifen und musste festhalten, dass die Leistungsbeurteilung in völlig unzureichender Weise in Diskussion gestellt wurde. Die europäische Perspektive der Reifeprüfung als Eintrittskarte in den europäischen Bildungsraum sei durch die laufende Reform kaum berücksichtigt. Dem Elternwunsch nach einem validen und aussagekräftigen Zertifikat, das eine sichere Studienberechtigung gewährleisten sollte, werde so sicher nicht Rechnung getragen.

Während an der AHS-Matura eine Expertengruppe mit Vertreter/innen aus allen Landesschulbehörden etwa zwei Jahre vorbereitend gearbeitet hatte, sei die Reform der BHS-Reifeprüfung binnen weniger Monate im bm:ukk ausgeheckt worden. Die widerstrebenden Aspekte zentraler Prüfungsvorgaben und typenspezifischer Schwerpunkte seien völlig unzureichend ausdiskutiert worden.

Die Erfahrungen mit dem Status der BHS-Matura konnte ich am Beispiel Mathematik für die BAKIP (Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik) als unzumutbare Situation darstellen: Zwei zusätzliche Mathematik-Stunden seien erforderlich, da die Reifeprüfung in Mathematik derzeit nicht obligatorisch sei. Die erforderlichen Stundeplanveränderungen seien bisher nicht geregelt, widersprüchliche schulautonome Lösungen vorgeschlagen und wieder zurückgenommen: Der erste Jahrgang der BAKIP im Schuljahr 2010/11 müsse sich auf eine Neue Reifeprüfung vorbereiten, wisse aber nicht wie ... Ähnlich gehe es auch in anderen BHS-Zweigen zu.

Die Initiative zur Einführung der Modularen Oberstufe sei das Letzte, was die Höheren Schulen derzeit bräuchten. Die Oberstufenreform müsse auf die Erfahrungen der (vor allem Wiener) Pilotversuche aufbauen, die mindestens ein oder zwei Jahre an der Adaptierung eines geeigenten autonomen Modells gearbeitet hätten. Modulare Oberstufe und Neue Reifeprüfung könnten allerdings als gemeinsames Projekt gesehen werden.

Bei allen Diskussionen um Bildungsstandards und neue Abschlussprüfungen dürfe nicht vergessen werden: "Schule ist Ort des Lernens" (sic., Univ.-Prof. Dr. Michael Schratz, Univ. Innsbruck) - nicht des Unterrichtens, Prüfens ... Eine Qualitätsverbesserung von Schule müsse also darauf abzielen, die Rahmenbedingungen für "gutes Lernen" verlässlich zu gewährleisten. Die Schulpartner solten sich mehr auf diesen Aspekt konzentrieren. Prüfungen und Zeugnisse seien immer in Relation dazu  zu sehen.

"Wir brauchen mindesten zwei Jahre mehr Zeit!

Es hilft nichts, wenn die Maturant/innen die Neue Matura dann in einem schmerzlosen Verfahren "... ohnehin schaffen". Wir sind schließlich angetreten, um das Zertifikat besser, vergleichbarer und auch international verlässlicher zu machen.

Das kann so nicht gelingen!"

Johannes Theiner