Liebe Eltern und Schulpartner,

ich lese seit längerem mit großem Unbehagen, welche Ausgrenzungen und Aufgaben-Zuschreibungen im Lauf der wirren Schulreformdebatte aus allen Richtungen artikuliert werden. Die Rolle der Eltern ist dabei "mein besonderes Sorgenkind".

Ich möchte auf die in Österreich leider bisher nicht diskutierten Grundsatzpositionen der European Parents' Association (EPA) hinweisen, die ich im Ausland vertreten kann und sehr interessiertes und positives Echo gefunden habe, zu der es aber in Österreich bisher keine Reflexion gibt:

Parents are the Primary Eductors of their Children!

Eltern sind die "primären" Erzieher/Heranbildenden ihrer Kinder!

Wir üblich haben wir ein Problem, ein deutsches Wort äquivalent zu "educators" zu finden. Der Satz will sagen, dass alles, was wir unter dem Begriff "Bildung" zusammenfassen können, in jedem Kind ganz wesentlich durch den Einfluss der Eltern geprägt ist. "Primary" meint also nicht nur, dass die elterliche Einflussnahme schon vor der Geburt "erziehend" einwirkt, sondern insbesonders, dass die Haltung der Eltern zu Bildung die Bildungslaufbahn von Kindern dominierend prägt. Studienergebnisse (Deforges, Sacker ...) belegen, dass diese Einflüsse NICHT "sozioökonomisch" determiniert sind! Es handelt sich demnach um die Haltung der Eltern ("attitude towards education"), die sich bestimmend bemerkbar macht.

"Parents spoil every statistics on education" - das habe ich tatsächlich im Rahmen einer Konferenz über statistische Analysen von Kontexterhebungen zu internationalen Bildungsstudien gehört. Dieser Satz belegt das oben zitierte Paradigma. Wir - die Elternvertretung - müssen uns gemeinsam dagegen wehren, dass wir in statistischen Deutungen auf unseren sozioökonomischen Status reduziert werden! Aktiv Eltern sein können, ideale Individualisierung von Lernbedürfnissen im liebe- und vertrauensvoll gestalteten Beziehungsnetz der Eltern-Kind(er) Beziehung, das ist vermutlich die wirkliche Erfolgsbedingung.

Ich denke, dass wir als Interessensvertretung die vorrangige Aufgaben entwickeln müssen, Eltern ihre Rolle interessant und möglich(!) zu machen sowie Unterstützungsangebote zu schaffen, wenn die Rolle überfordert. Diese Position muss Forderungen nach "Büffeln mit den Kindern" oder vollständiger "Entsorgung" der Kinder in Betreuungseinrichtungen entgegen gehalten werden. Die Teilnahme ALLER Obsorgeberechtigten an der "community" zumindest im Rahmen von Elternabenden ist allen Elternvertreter/innen ein wichtiges Anliegen.

Eltern sind "Freiwillige" - im Europäischen Jahr der Freiwillgenarbeit ein wesentliches Bild - und übernehmen DIE essentielle Aufgabe für die Gesellschaft. Bildungs- und Sozialpolitik sollten uns in dieser Rolle wahrnehmen und unterstützen - nicht nur durch Transferleistungen, sondern durch echte Anerkennung und Angebote zur Weiterbildung und Entfaltung.

Die große Schulreform, die den status quo nicht fair analysiert und nicht vorrangig die Lernumgebung des einzelnen Schülers/der einzelnen Schülerin im Auge hat, wird bestenfalls in 10 bis 20 Jahren positive Veränderung bringen.

Die wunderbare Animation
home icon www.youtube.com/watch?v=zDZFcDGpL4U&feature=player_embedded
lässt mich die angedachte Systemrevolution skeptisch sehen. Die Forderung nach neuen Paradigmen muss klar unterstützt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Theiner

President of the European Parents' Association

Vorsitzender des Verbands der Elternvereine
an den höheren und mittleren Schulen Wiens